o.Univ.Prof.Dr. Elisabeth von Samsonow
Wintersemester 2017/2018 
Vorlesung Anthropologie der Kunst I

 

ÜBERWACHEN UND SCHLAFEN

 

20. Oktober 2017, 9:00 - 12:00 Uhr und 13:00 - 15:00 Uhr, AU04H4.39, Augasse 2-6, 1090 Wien
27. Oktober 2017, 9:00 - 12:00 Uhr und 13:00 - 15:00 Uhr, AU04H4.39, Augasse 2-6, 1090 Wien
10. November 2017, 9:00 - 12:00 Uhr und 13:00 - 15:00 Uhr, AU04H4.39, Augasse 2-6, 1090 Wien
24. November 2017, 9:00 - 12:00 Uhr und 13:00 - 15:00 Uhr, AU04H4.39, Augasse 2-6, 1090 Wien
12. Jänner 2018, 9:00 - 12:00 Uhr und 13:00 - 15:00 Uhr, AU04H4.39, Augasse 2-6, 1090 Wien

 

Die Vorlesung widmet sich einer kritischen Revision der Beziehung zwischen Schlaf und Überwachung. Timothy Garton Ash hatte vor kurzem gemeint, wir seien dabei, schlafwandelnd in die totale Überwachungsgesellschaft hineinzustolpern. Wieso schlafwandelnd? Was hat Schlaf mit Überwachung zu tun? Während der oder die Schläfer/in die Augen schließt, muss, damit der Schlaf geschützt stattfinden kann, einer oder eine Wache schieben. Überwachung und Schlaf haben also eine äußerst lange Beziehungsgeschichte, die zunächst einen mütterlichen Akzent hat. Es sind die Mütter, die über den Schlaf ihrer Kinder wachen, bevor es ein nimmermüdes göttliches Auge gibt, welches sich, ewig geöffnet und allsehend, dem Dienst der Rundumbewachung zur Verfügung stellt. Die Vorlesung versucht, Motive aus der Psychoanalyse, der Medientheorie und der politische Theorie so miteinander zu verbinden, dass die kulturelle „Schlafsucht“ oder Unlust an der Existenz und ihre Anteile an einer höchst ambivalenten Überwachungsforderung einsichtig werden. Ferner soll die subversive Rolle der Kunst in diesen Zusammenhängen genauer betrachtet werden. Aus feministischer Sicht gilt es, die Überwachungsrolle der realen und symbolischen Mütter wider die männlichen Blickregime zu untersuchen.  

 

cand.phil Ivo Gurschler
Gastdozent Seminar

Pharmakovigilanz


Zur Vorlesung trägt cand.phil Ivo Gurschler bei, um die Thematik zu „Überwachen und Schlafen“ aus der Sicht der Pharmakovigilanz näher zu untersuchen.


Der Begriff der Pharmakovigilanz – aus griechisch φάρμακον „Heilmittel, Gift, Zaubermittel“ und lat. vigilantia „Wachsamkeit, Fürsorge“ – steht für ein Überwachungsdispositiv zur Risikominimierung von bereits auf dem Markt erhältlichen Medikamenten. Eine strukturell analoge Funktion erfüllt die Internet-Informationsplattform Erowid hinsichtlich (illegaler) Drogen, insbesondere sogenannter Research Chemicals, also neu entwickelter, oft psychedelisch wirkender Substanzen. Ausgehend von der These, dass Philosophie als „Suche nach Ersatzformen für einen quasi drogenabhängigen Wahrheitsbegriff“ (Sloterdijk) verstanden werden kann, soll im Zusammenhang von „Überwachen und Schlafen“ ein wissenschaftshistorisch informierter Blick auf pharmakologische Mittel geworfen werden, die eine Veränderung des ‚normalen’ Wachbewusstheitszustandes künstlich hervorzurufen imstande sind. Die Skala reicht von schlafähnlicher Bewusstlosigkeit – etwa infolge einer Verabreichung von Anästhetika (wie Distickstoffmonoxid, Trivialname: Lachgas) – bis hin zu Träumen im Wachen mittels sogenannter Halluzinogene (wie z. B. Meskalin). Bei alledem soll „Pharmakovigilanz“ versuchsweise als eine philosophische Aufgabe gefasst werden, und als Versuch, diese Aufgabe selbst zu klären.  
 

Audiomitschnitte

 

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