o.Univ.Prof.Dr. Elisabeth von Samsonow
Philosophische und historische Anthropologie der Kunst
Wintersemester 2018/19 

Anthropologie I

 

DIE GÖTTIN
Gravettien, Revolution, Utopie, Chtuluzän

 

Blocklehrveranstaltung

Termine:
12. Oktober 2019, 9:00 - 12:00 Uhr und 13:00 - 15:00 Uhr, H4.39 - Hörsaal (AU04H4.39)
19. Oktober 2019, 9:00 - 12:00 Uhr und 13:00 - 15:00 Uhr, H4.39 - Hörsaal (AU04H4.39)
16. November 2019, 9:00 - 12:00 Uhr und 13:00 - 15:00 Uhr, H4.39 - Hörsaal (AU04H4.39)
30. November 2019, 9:00 - 12:00 Uhr und ACHTUNG ! 13:00 - 17:00 Uhr, H4.39 - Hörsaal (AU04H4.39)

 

Die Assymetrie des Geschlechterverhältnisses drückt sich nicht zuletzt (theologisch, psychoanalytisch) im Fehlen einer „Göttin“ in den öffentlichen Narrativen aus. Trotzdem verfügt sie offensichtlich über wirksame Latenz, also über eine beeindruckende Underground-Präsenz in allen möglichen, nicht nur feministischen Plateaus, zumindest seit den siebziger Jahren. „Underground“ an der Göttin ist jedenfalls der archäologische Aspekt, zumal gerade im 20.Jahrhundert (und da nicht zuletzt in Österreich) weltweit Aufsehen erregende Göttinnen-Funde gemacht wurden, die nach einer Deutung riefen. Die wissenschaftlichen Phantasmagorien wirken wie ein seismisches Beben, ausgelöst durch die „Venusse“. Interessant ist immerhin die Konvergenz von Feminismus und Ökologie im sogenannten Ökofeminismus der siebziger Jahre, der versucht hatte, sich durch die (Wieder)Einführung der Göttinnen (nicht zuletzt auf der Grundlage der archäologischen Funde) eine starke Kontur zu geben. Die Vorlesung dient mithin der historischen und zeitgenössischen Analyse der Figur der Göttin und ihrer Befragung in Bezug auf ihr revolutionäres und utopisches Potenzial. Gesetzt den Fall, die Göttin als Signifikant wird intensiv und beginnt, das Feld der Bedeutungen, der Affekte, der Solidaritäten zu reorganisieren. Könnte die Göttin eine beträchtliche Stärkung der weiblichen Agenden, das Aufreissen eines Makrohorizonts des Weiblichen, eine ökologische Metanoia (siehe Bruno Latours Ausführungen zu „Gaia“), eine bevölkerungspolitische Wende herbeiführen (im Sinne von Donna Haraways Vorschlägen zur Abwehr der prognostizierten extrem progressiven Bevölkerungsentwicklung im Chtuluzän)? Die Vorlesung ist nicht nur ein feministisches Projekt, sondern auch eine Einführung in philosophisch-anthropologische Terminologie und ihre kritische und heuristische Verwendung.

Literaturliste wird zu Beginn des Semesters ausgehändigt