Lehrveranstaltungen von Wintersemester 2003/04 bis Sommersemester 2005

 
 
Sommersemester 2005

Vorlesung Anthropologie II
Show Me the Way to Paradise

Zwischen der von Alain Badiou so bezeichneten »tibetanischen Pornographie« und der Seifenreklame als neo-romantischen Inszenierungen der zeitgenössischen Kunst lassen sich die ikonographischen Versatzstücke der Paradiessucher ausmachen. Die Frage, der die Vorlesung nachgeht, ist die nach Form und Beschaffenheit gegenwärtiger Paradiesvorstellungen, ihren Hintergründen und ihren utopischen und realen Perspektiven. Ziel der Vorlesung ist die Skizzierung einer Neo-Geosophie, die als philosophische Ökologie zu entwerfen sein wird.

Literaturliste:

Badiou, Alain (2001): Kleines Handbuch zur In-Ästhetik. Wien, Turia + Kant

Baudy, Gerhard (1999): Das verratene Geheimnis. Zur Rolle der Schlange in antiken Initiationsriten und Kulturentstehungsmythen. In: Aleida und Jan Assmann (Hg.): Schleier und Schwelle. Geheimnis und Neugierde. Archäologie der literarischen Kommunikation V,3. München, Fink

Bateson, Gregory (1981): Ökologie des Geistes. Frankfurt am Main, Suhrkamp

Callenbach, Ernest (1978): Ökotopia. Notizen und Reportagen von William Weston aus dem Jahre 1999. Berlin, Rotbuch

Corbin, Henry (1989): Spiritual Body and Celestial Earth. From Mazdean Iran to Shi'ite Iran.

Elahi, Bahram (1997): Foundations of Natural Spirituality. A Scientific Approach to the Nature of the Spiritual Self. Shaftesbury/Rockport/Melbourne: Element Books.

Guattari, Félix (1994): Die drei Ökologien. Hg. v. Peter Engelmann. Wien, Passagen

Huxley, Aldous(1983): Moksha. München, Piper

Latour, Bruno (2001): Das Parlament der Dinge. Für eine politische Ökologie. Frankfurt a.M., Suhrkamp.

Pagels, Elaine (1994): Adam, Eva und die Schlange. Die Geschichte der Sünde. Reinbek b. Hamburg, Rowohlt

Samson, Paul/David Pitt (Hrsg., 1999): The Biosphere and Noosphere Reader. Global Environment, Society, and Change. London/New York: Routledge

Sheldrake, Rupert (1990): Das Gedächtniss der Natur. Bern, Scherz

Simondon, Gilbert (1995): L'individue et sa génèse physico-biologique. Grenoble, Ed. Jérome Millon

Sonnenschmidt, Reinhard W. (2000): Politische Gnosis. Entfremdungsglaube und Unsterblichkeitsillusion in spätantiker Religion und politischer Philosophie. München, Fink

Virno, Paolo (2004): Les anges et le general intellect. L'individuation chez Duns Scotus et Gilbert Simondon, in: Multitudes Nr. 18: Politiques de l'individuation: Penser avec Simondon. Mointigny le Bretonneux, Herbst 2004

 

Seminar Anthropologie IV
Sondermüll oder Schwierigkeiten mit der Löschung. Zur Dynamik kulturellen Vergessens

Das Seminar bietet anhand ausgewählter Texte aus Mythologie und Religionsgeschichte eine Einführung in Prozesse und Strukturen des kulturellen Gedächtnisses. Von besonderem Interesse ist der Vorgang der Löschung oder des »verordneten« Vergessens, das bei politischen, religiösen und ethnischen Kollisionen über die unterlegenen Akteure verhängt zu werden pflegt. Die Motive von Verdängung, Entstellung und Wiederkehr und die Parallelen zwischen Informatik qua Mnemotechnik einerseits und Psychoanalyse andererseits bilden die Leitmotive der Untersuchung.

Literaturliste:

Assmann, Jan (1992): Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen. München, Beck

Eco, Umberto (1988): An Ars Oblivionalis? Forget it! In: PMLA 103, 254-61

Haverkamp, Anselm/ Lachmann, Renate (Hg.) (1993): Memoria. Erinnern und Vergessen. In: Poetik und Hermeneutik XV. München, Fink

Hinderk, M. Emrich (1996): Vom Nutzen des Vergessens. Hg. von Gary Smith und M. Emrich Hinderk. Berlin, Akademie

Jackson, Richard (2004) (Hg.): (Re)Constructing Cultures of Violence and Peace. Amsterdam, Rodopi

Kittsteiner, Heinz-Dieter (1993): Nietzsches 'souveränes Individuum' in seiner 'plastischen Kraft'. In: Internationale Zeitschrift für Philosophie (Hg. G. Figal, E. Rudolph). Stuttgart, Metzler

Lévy, Pierre (1997): Die Kollektive Intelligenz. Für eine Anthropologie des Cyberspace. Mannheim, Bollmann

Mayer, Alexander L. (1998): Schleier, Schwelle, Geheimnis. »Übung« und »Ort« im chinesischen Buddhismus. In: Aleida und Jan Assmann (Hg.): Schleier und Schwelle. Geheimnis und Offenbarung. Archäologie der literarischen Kommunikation V,2. München, Fink

McGowan, Margaret (2002): Unwillkürliches Gedächtnis - Rom-Erfahrungen in der Spät-Renaissance. In: Aleida Assmann/ Monika Gomille/ Gabriele Rippl (Hg.): Ruinenbilder. S. 17-30. München, Fink

O'Sullivan, Simon (2002): Cultural Studies as Rhizome - Rhizomes in Cultural Studies. In: Stefan Herbrechter (Hg.): Critical Studies 20. Cultural Studies, Interdisciplinarity and Translation. Amsterdam-New York, Rodopi

Samsonow, Elisabeth (2001): Fenster im Papier: Die imaginäre Kollision der Architektur mit der Schrift oder die Gedächtnisrevolution der Renaissance. München, Fink

Weinrich, Harald (2000): Lethe - Kunst und Kritik des Vergessens . - 3., überarb. Aufl. München, Beck

 

 

 

Wintersemester 2004/05

 

Vorlesung Anthropologie I
Der Hang zur Unsterblichkeit.
Die Technik der Verfertigung von Mumien und andere theoretische Zugänge zur Kunst des soliden Raumes.

Die Vorlesung zeigt die Zusammenhänge zwischen sozialen und politischen Modellen und den jeweils von ihnen bevorzugten (künstlerischen und mnemotechnischen) Medien auf, wobei insbesondere die Frage nach dem »Ersatzkörper«, seiner massenhaften Herstellung und seiner Bedeutung nachgegangen wird. Sie führt ein in die mit der Anthropologie zusammenhängenden Fragen aus der Perspektive der Kunstgeschichte und der gegenwärtigen künstlerischen Produktion.

Literaturliste:

Jan Assmann: Ägyptische Geheimnisse, München 2004.

Constantin von Barloewen: Der Tod in den Weltkulturen und Weltreligionen, München 1996.

[Corpus Hermeticum:] Les révélations d'Hermes Trismégiste III, Les Doctrines de l'âme, suivi de Jamblique, Traité de l'âme, traduction et commentaire, Porphyre, De l'animation de l'embryon, par R.P.Festugière, O.P., Paris 1953.

Francois Dagognet: Le corps multiple et un, Pléssis-Robinson 1992.

Gilles Deleuze und Félix Guattari: Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie, Berlin 1996.

Sigmund Freud: Totem und Tabu. Einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und Neurotiker, Leipzig-Wien-Zürich 1925.

Jamblichus: Über die Geheimlehren. Die Mysterien der Ägypter, Chaldäer und Assyrer, Schwarzenburg 1978.

H.Kantorowicz: Die zwei Körper des Königs. Eine Studie zur politischen Theologie des Mittelalters, München, 2. Aufl., 1994.

Claude Lévi-Strauss: Das wilde Denken, Frankfurt/Main, 9.Auflage 1994.

Jacqueline Liechtenstein: La Tache aveugle. Essai sur les relations de la peinture et de la sculpture à l'age moderne, Paris 2003.

Mumien aus dem alten Ägypten. Zur Mumienforschung im Kunsthistorischen Museum. Hrsg. v. Wilfried Seipl. Wien 1998.

Mario Perniola: Der Sex-Appeal des Anorganischen, aus dem Italienischen von Nicole Finsinger, mit einem Nachwort von Elisabeth von Samsonow, Wien 1999.

Adolf Reinle: Das stellvertretende Bildnis. Plastiken und Gemälde von der Antike bis ins 19.Jahrhundert, Zürich und München 1984.

Oliver Sacks: Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte, deutsch von Dirk van Günsteren, Reinbek bei Hamburg 1990.

Elisabeth von Samsonow: Deus sine natura. Theopathie in der fabbrica, in: Johanna Riegler, Christina Lammer u.a.(H.): Puppe. Monster. Tod. Kulturelle Transformationsprozesse der Bio-und Informationstechnologien, Wien 1999.

Gail Weis: Body Images. Embodiment als Intercorporeality, London 1999.

Wilhelm Wundt: Elemente der Völkerpsychologie

 

Seminar Anthropologie III
Könnte sich Ödipus in Elektra verlieben? – Zu Vertrautheit und Entfremdung zwischen den Geschlechtern.

Das Seminar dient der Lektüre grundlegender Texte, die einmal das Lieblingsthema der Anthropologen, die Heiratsregeln, behandeln, und zum anderen unterschiedliche politische Modelle auf der Basis entweder von psychoanalytischen oder sozialen Protostrukturen entwerfen.

Literaturliste:

Giorgio Agamben: L'ouvert. De l'homme et de l'animal. Traduit de l'italien par Joël Gayraud, Paris 2002.

Aischylos: Die Totenspende, deutsch von Emil Staiger, mit e.m Nachwort des Übersetzers, Stuttgart 1959.

Doris Bernstein: The Female Superego. A Different Perspective, in: International Journal for Psycho-Analysis, 64.Jg. (1983), pp.107-129.

Françoise Dolto: Weibliche Sexualität. Die Libido und ihr weibliches Schicksal, Hg. und mit einer Einleitung versehen von Muriel Djéribi-Valentin und Elisabeth Kooki, aus dem Französischen von Werner Damson und Andrea Wohnhaas, Stuttgart 2000.

Elektra und Ödipus. Zwischen Penisneid und Kastrationsangst. Hrsg. v. Anton Szanya. Wien 1995.

Euripides: Elektra. Übertragen von Ernst Buschor, Wiesbaden 1951.

J.G.Frazer: Totemism and Exogamy. A Treatise on the Early Forms of Superstition and Society, Vol.III, Nachdruck Chippenham 1994.

Jean Giradoux: Elektra. Stück in zwei Akten, deutsch von Hans Rothe, München 1959.

Hendrike Halberstadt-Freud: Elektra versus Ödipus. Das Drama der Mutter-Tochter-Beziehung, aus dem Niederländischen von Christiane Kuby und Herbert Post, Stuttgart 2000.

Mary Jacobus: First Things. The Maternal Imaginary in Literature, Art and Psychoanalysis, New York-London 1995.

Judith S. Kestenberg: Zur weiblichen Homosexualitäz. Das Versagen in der Entwicklung von Mütterlichkeit, in Eva Maria Alves: Stumme Liebe. Der »lesbische Komplex« in der Psychoanalyse, o.O.,o.J.

Bruno Latour: Das Parlament der Dinge. Eine politische Ökologie, aus dem Französischen von Gustav Roßler, Frankfurt/Main 2001.

Claude Lévi-Strauss. Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft, Frankfurt/Main 1984.

Robert von Ranke-Graves: Griechische Mythologie. Qullen und Deutung, Reinbek bei Hamburg 1993.

Ina Rösing: Geschlechtlicher Raum, geschlechtliche Zeit, Heidelberg 1999 (= Schriften der Philosophisch-historischen Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Band 17, S.10ff.)

Sophokles: Elektra, edited with introduction, translation and commentary by Jenny March, Warminster (England), 1971.

Robert Stoller: Sex and Gender, Vol.I On the development of Masculinity and Femininity, New York 1968.

Richard Strauss: Elektra. Textbuch, Einführung und Kommentar von Kurt Pahlen unter Mitarbeit von Rosemarie König, Mainz 1995.

Frank Robert Vivelo: Handbuch der Kulturanthropologie. Eine grundlegende Einführung, Hg. und mit einer Einleitung versehen von Justin Stagl, aus dem US-Engl. von Erika Stagl, Stuttgart 1981.

 

 

 

Sommersemester 2004

Wegen eines einsemestrigen Forschungsurlaubs wurden von Prof. Samsonow im Sommersemester 2004 keine Lehrveranstaltungen gehalten.

 

 

Wintersemester 2003/04

 

Vorlesung: Was ist Skulptur?
Vom Totenkult zur »sozialen Plastik«

Die Vorlesung führt ein in die magische, religiöse und politische Verwendung der Skulptur als Double des menschlichen Körpers und versucht, die Bedingungen und Ursachen zu benennen, die sie schließlich in der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts mehr oder weniger zum Verschwinden gebracht haben. Ferner soll untersucht werden, welche Formen der Plastik den Raum besetzt haben, über den ursprünglich dieser erste Sozius, das Produkt eines Beseelungsexperiments, geherrscht hatte. Die Veranstaltung geht so einer grundlegenden anthropologischen Struktur, nämlich dem »sozialen Binom«, in der Geschichte ihrer genealogischen und technologischen Verwandlungen nach.

 

Vorlesung Postkolonial Studies I:
Die Geburt. Politiken der Intimität

Die Lehrveranstaltung dient der Sichtung anthropologischer und ethnographischer Materialien (Texte, Objekte, Filme), die sich auf die Beschreibung der Geburt und ihrer Umstände beziehen. Aus den Mitteilungen unterschiedlicher Vorkehrungen, die gegenüber der Gebärenden und dem in Empfang zu nehmenden Kind getroffen werden, soll die Sphäre der Geburt als politischer Raum - und insbesondere als Raum der Körperpolitiken - rekonstruiert und interpretiert werden. In der Geburt als Habitus wird die Einstellung einer Kultur zu Leben und Autonomie des Individuums lesbar.

 

Seminar Der Kritiker und sein Künstler/Der Künstler und sein Kritiker.
Schizoanalyse einer schwachen Arbeitsteilung

Das Seminar nimmt sich der schwierigen Verhältnisse zwischen Künstlern einerseits und Kritikern und Kuratoren andererseits an. Während die Autonomie der Kunst eine scheinbar unangefochtene Forderung ist, lassen die Künstler nach wie vor die Enteignung ihrer Produktion mittels einer Übersetzung in den sogenannten »herrschenden Diskurs« zu. Nachdem die Beziehung, um die es geht, ihre Parallele im Verhältnis zwischen Analysand und Analytiker im Rahmen der Psychoanalyse hat, werden Texte, die die Psychoanalyse als solche kritisieren und als Modell überholen wollen, die Textbasis für die offenen Diskussionen im Seminar bilden.

 

Seminar Raumbeziehungen/Kirchenbau
Studio Design - Leere und Zwischenräume

Projektbezogener Unterricht in den Ateliers der Architektur-Klassen.