Lehrveranstaltungen Wintersemester 2000/01 bis Sommersemester 2003

 
 
Sommersemester 2003
 
Vorlesung Neo-Monadologie oder Die ganz gewöhnliche Trance

Im Zuge der Untersuchungen des »schwachen« Subjekts postmodernen, post-foucaultschen Typs werden die diesem zukommenden »schwachen« Erkenntnisweisen und Zuständlichkeiten wieder Thema: der Traum, die Hypnose, die Trance. Die Vorlesung konzentriert sich auf den Parallelismus zwischen den auf ein »Anderes« hingehenden Formen psychischer oder poetischer Aktivität und den »das Soziale« konstituierenden Akten. Neben einer Reihe neuerer Aufsätze zu Hypnose, Trance, Traum und Besessenheit werden wir vor allem Gabriel Tardes Buch »Die Gesetze der Nachahmung« und Bergsons Schrift zu »Les données immediates de la conscience« herangezogen. Zusätzlich zur Beschäftigung mit Texten wird die Vorlesung eine Auseinandersetzung mit dokumentarischem ethnographischem (Film-)Material bieten.

 

Seminar Raumbeziehungen/Kirchenbau
Architektur und Kultur

Projektbezogener Unterricht in den Ateliers der Architektur-Klassen.

 

Vorlesung Kulturwissenschaften I
HOMO FABER: Wie entsteht Welt?
gemeinsam mit Univ.Ass. Dr. Felicitas Thun

Die anthropologische Analyse von Werkzeugen und Geräten, die die technische und zeichenhafte Aneignung von »Welt« erklärt, muss durch eine Skizze der Grundlagen der Wahrnehmung selbst ergänzt werden. Welche Eigenschaften des Wahrnehmungsapparates sichern zuallererst der Zone des »Objektiven«, der Gegenstände und des »Zeugs« die menschliche Aufmerksamkeit in solch hohem Maße? Warum lassen sich Menschen von Objekten - seien es nun solche der Vergangenheit, des täglichen Lebens, solche der utopischen Phantasie oder der Kunst - hochgradig faszinieren und dazu bringen, mit ihnen jene Form von Beziehung aufzunehmen, die Andy Warhol in der Verlobung mit seinem tape-recorder vorgeführt hat? Die Wahrnehmungsanalyse wird die Genese der Wahrnehmung in den Vordergrund stellen, also jene eigentümlichen Prozesse reflektieren, die für Nicht-Sprechende, für Säuglinge und sich Wundernde eine Welt aufziehen lassen, und diese dann mit der »Welt« der Erwachsenen in vielschichtigen Konfigurationen in Beziehung setzen. Im Rahmen der Vorlesung werden Texte zur frühkindlichen Psychologie gelesen (u.a. von Winnicott, Klein und Eriksson), sowie künstlerische Strategien der Gegenwartskunst betrachtet. Es wird davon ausgegangen, dass eine spezifische Form von »stets werdender« Wahrnehmung bestimmte Ansätze in der Gegenwartskunst theoretisch hinterfängt.

 

Seminar für DiplomandInnen und DissertantInnen
Gilles Deleuze

Lektüre und Diskussion von
- Gilles Deleuze: Die Falte. Leibniz und der Barock. Übers. a.d. Frz. v. U.J. Schneider. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2000 (= stw 1484), sowie
- Claude Lévi-Strauss: Traurige Tropen Übers. a.d. Frz. v. H. Naumann. . Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1976 (= stw 240).

 

 

Wintersemester 2002/03
 
Vorlesung Neo-Monadologie oder Die ganz gewöhnliche Trance

Im Zuge der Untersuchungen des »schwachen« Subjekts postmodernen, post-foucaultschen Typs werden die diesem zukommenden »schwachen« Erkenntnisweisen und Zuständlichkeiten wieder Thema: der Traum, die Hypnose, die Trance. Die Vorlesung konzentriert sich auf den Parallelismus zwischen den auf ein »Anderes« hingehenden Formen psychischer oder poetischer Aktivität und den »das Soziale« konstituierenden Akten. Neben einer Reihe neuerer Aufsätze zu Hypnose, Trance, Traum und Besessenheit werden wir vor allem Gabriel Tardes Buch »Die Gesetze der Nachahmung« und Bergsons Schrift zu »Les données immediates de la conscience« herangezogen. Zusätzlich zur Beschäftigung mit Texten wird die Vorlesung eine Auseinandersetzung mit dokumentarischem ethnographischem (Film-)Material bieten.

 

 

Sommersemester 2002
 
Vorlesung Projektion

Die Vorlesung führt ein in denjenigen Horizont, innerhalb dessen die aktuelle Bevorzugung des Projektiven, Projizierten, als des Projektes als Spiegel des Subjektes vorbereitet worden ist. Ausgehend von den Lichtspekulationen des späten Mittelalters und der Renaissance werden die optischen, panoptischen technischen Typen des »Lichtspiels« erörtert und in ihrer Funktion als Modelle von Kreativität kommentiert. Ferner soll deutlich werden, in welcher Form die technischen Projektionen an das (Selbst)Verständnis von mentalen und Bewusstseinsprozessen rückgekoppelt wurden und dieses in gewissermaßen kybernetischer Weise reformiert haben. Die "Architektur des Lichts" wird in ihrer Bedeutung als Archetyp bzw. als erstes Modell und Projekt dargestellt.

Vorlesung Besessenheit

Die Vorlesung vertieft inhaltlich die Veranstaltung des Wintersemesters zum Thema Totemismus, wobei die psychotechnischen, d.h. insbesondere die mimentischen Grundlagen für die Möglichkeit »besessen« zu handeln, erarbeitet werden. Während in einem ersten Teil die Besessenheit auf der Basis von ethnographischem Material diskutiert werden wird, ist in einem zweiten Teil der Rückgriff auf die vormoderne Psychologie vorgesehen. Die Vorlesung dient der Reflexion des Agierens unter Fremdeinfluß, welches einmal für die Kunstphilosophie und dann auch für eine erweiterte Form der Gesellschaftstheorie Bedeutung erhült.

 

Seminar für DiplomandInnen und DissertantInnen:
Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft

In einer kritischen Revision der Schrift Kants mit dem einschlägigen Titel werden Texte jüngsten Datums zum Thema »Was ist Religion?« herangezogen, z. B. Vattimos und Derridas Schrift Religion, John. D. Caputos erklärende Kurzdarstellung des Sujets bei Routledge und Slavoj Zizeks Buch über Weltanschauungen in derselben Reihe (ebenfalls im Verlag Routledge). Gleichzeitiger Besuch der Vorlesung »Besessenheit« wird empfohlen.

 

 

Wintersemester 2001/02
 
Vorlesung Ausdruck, Affekt und Medium

Die Vorlesung stellt grundlegende Konzepte für das Verhältnis zwischen Impuls und Ausdruck vor. Auf dem Hintergrund mythologischer und theologischer Schöpfungsberichte sollen moderne und zeitgenössische Vorstellungen von der Mittelbarkeit oder Unmittelbarkeit des Ausdrucks kritisch untersucht werden, wobei mit Schöpfung besonders Raumproduktion gemeint sein wird. Von Interesse wird auch die Linie sein, die vorschriftliche und auch dezidierte anti-schriftliche Ausdrucksregimes von schrift- und textförmigen Formen trennt. Die Vorlesung führt so auch ein in die Diskussion zu Restriktion und Anarchie in der Kunst.
Literatur: Pagels, Elaine: Adam, Eve and the serpent, Vintage Books, 1989. Notter, Viktor: Biblischer Schöpfungsbericht und ägyptische Schöpfungsmythen, Verl. Kath. Bibelwerk, 1974. Johannes Philoponus: De opificio mundi, Herder 1997. Tsumura, David T.: The earth and the waters in Genesis 1 and 2: a linguistic investigation, Sheffield, 1989.

 

Vorlesung Bestiarien, Zur-Welt-Kommen mit dem Tier

Die Vorlesung beschäftigt sich in ikonographischer Hinsicht erstens mit dem Tier als Begleitung (Totem) und emblematisches Symbol und zweitens in anthropologischer Hinsicht mit den Fragen der Domestikation und Zucht und ihrer Bedeutung für die provisorischen Bilder, die Menschen über sich entworfen haben, drittens mit Mischwesen wie Werwölfen, Zentauren und der Möglichkeit einer »genetischen« Deutung dieser Hybriden. Die Veranstaltung versteht sich auch als Beitrag zu einer aktuellen Diskussion.
Lit.: Gimbutas, Marija: Die Sprache der Göttin: das verschüttete Symbolsystem der westlichen Zivilisation, Zweitausendeins, 1996; - Lévi-Strauss, Claude: Einleitung zu Das Rohe und das Gekochte, Frankfurt a.M. 1996, S.11-46. - Freud, Siegmund : Totem und Tabu, Fischer, 1993.

 

 

Sommersemester 2001
 
Seminar für DiplomandInnen und DissertantInnen:
Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft

In einer kritischen Revision der Schrift Kants mit dem einschlägigen Titel werden Texte jüngsten Datums zum Thema »Was ist Religion?« herangezogen, z. B. Vattimos und Derridas Schrift Religion, John. D. Caputos erklärende Kurzdarstellung des Sujets bei Routledge und Slavoj Zizeks Buch über Weltanschauungen in derselben Reihe (ebenfalls im Verlag Routledge). Gleichzeitiger Besuch der Vorlesung »Besessenheit« wird empfohlen.

 

 

Wintersemester 2000/01
 
Vorlesung Labyrinth

Ausgehend von der Erzählung über die wunderbare Funktion des Ariadnefadens soll das Labyrinth als »Supersystem« einer feministischen Anthropologie diskutiert werden. Die Begeisterung des barocken Manierismus ebenso wie der postmodernen Theorie für das Labyrinth wird anhand der Frage nach dem Verhältnis von Suchfunktion und Chaos nachgegangen. Historische und zeitgenössische Theoriemodelle sollen miteinander konfrontiert werden, und zwar unter der Perspektive einer universalen Kategorie des Ortes (»wo?«). Dabei können theologische und biologische (Selbst-)beobachtungsstrukturen auf ihre formalen Kongruenzen hin untersucht werden. Die Vorlesung versteht sich auch als Einführung in die Philosophie der Symbole.

 

Heterogenese und Kreativität:
Giordano Bruno

Vertiefender Lektürenkurs zu Brunos mnemotechnischem Taktat »De imaginum compositione« (On the composition of images, signs & ideas), einer wichtigen, jedoch kaum rezipierten Schrift. Brunos Erfindung des Gedächtnisses als Konstrukt zur Vervielfältigung (Heterogenese) von Bildern über Ähnlichkeiten soll in ihren philosophischen, historischen und aktuellen Bezügen gedeutet werden.
Zugrundegelegte Literatur: Giordano Bruno, On the composition of images, signs & ideas, New York 1991; - Giordano Bruno, Über die Monas, die Zahl und die Figur. Mit einer Einleitung herausgegeben von Elisabeth Samsonow, Hamburg 1991; - Giordano Bruno. Mit einer Einführung hrsg. u. z.T. übers. v. Elisabeth Samsonow, München 1996 (= PHILOSOPHIE JETZT!).