o.Univ.Prof.Dr. Elisabeth von Samsonow
Philosophische und historische Anthropologie der Kunst
Sommersemester 2019 

Anthropologie II

 

I AM BEGINNING TO SEE THE LIGHT
Über Anfänge, Gründe, Ur-Sachen in der Philosophie und in der Kunst

 

„ I start from the beginning because I do not know how to start from where I am , and that is because I am nowhere“ (Luisa Muraro) Eine wichtige Figur des italienischen Feminismus, Luisa Muraro, schreibt in dem ungewöhnlich scharfen Kapitel ihres Textes „The Symbolic Order of the Mother“ über die Schwierigkeit, anzufangen – anzufangen mit dem Schreiben, mit dem Denken. Was, wenn die vereinfachten Ursprungserzählungen der Philosophie – diejenige von Hegel, von Locke, Plato, Parmenides oder Husserl – eine symbolische Misere offenlegen, die sich unter dem Deckmantel der Logik verbirgt? Wie soll man anfangen, wenn man nicht vorkommt, so Muraros provokante Frage. Die Vorlesung führt auf der Grundlage von Muraros Text ein in die wichtigsten Ursprungserzählungen der Philosophie, also in die strukturelle Logik des Anfangs und des Grundes, wobei gefragt werden wird, ob auch eine ganz andere logische Form denkbar wäre, die aus den meist verdeckt theologisch codierten Anfängen einer ausschließlich patriarchalen Geschichte der Philosophie ausbricht. Inwieweit käme das aber der Neuerfindung der Philosophie gleich? Die Lektüre von Muraros Text bildet jedenfalls einen guten Anfang für eine solche Reflexion. Nicht nur die Philosophie, auch die Kunst befindet sich die meiste Zeit in einem „Inmitten“, das sie nicht davon abhält, in der der Form der Kunstgeschichtsschreibung Kausalität, Anfänge, Erfindungen als wesentlich zu setzen. Wie sieht es nun da aus mit dem Spannungsverhältnis zwischen künstlerischer Erfahrung und Geschichte der Kunst? Eine Literaturliste wird zu Beginn der ersten Vorlesungseinheit ausgegeben.

Literaturliste