Studio Elektra 05 ist eine Sommersendung, eigentlich sogar eine lustige Kindersendung, sofern sie sich mit dem Status unserer Gerätschaften beschäftigt und dann auch zum Schluss kommt, dass es sich wohl größtenteils um Spielzeuge handelt.

Aristoteles war der Ansicht, dass Menschen genauso wie die anderen Tiere ihre organoi oder Werkzeuge dazu einsetzen müssten, ihr Ziel zu erreichen, mehr nicht. Teilweise wurden diese organoi von ihm als bereits dem Körper integriert betrachtet (wie zum Beispiel der Schnabel des Pelikans), teilweise sollten sie erst zur Zweckerfüllung hergestellt werden, wie beispielsweise das Nest. Auch hier gibt es eine Idee von der ewigen Verbesserung der Mittel, mit denen das Ziel zu erreichen ist, allerdings unterscheiden sich menschliche und tierische »Evolution« nicht grundsätzlich voneinander.

In der Renaissance zieht zu diesem Thema eine andere Ansicht auf, die bis heute gilt: Menschen sind die Tiere, die nicht zu Ende bestimmt worden sind und die sich daher selbst »erfinden«. Zu diesem Zwecke machen sie sich die Gerätschaften, die deshalb eben nicht nur »Natur« sind. »Nicht-zu-Ende-definiert-sein« heisst dann unter den Vorzeichen des Biologismus des 19. Jahrhunderts auch so viel, dass Menschen eine Art von Riesen-Föten darstellen (»Neotenie«), dass sie in jeder Hinsicht eben unfähig seien, sich auszuwachsen, in Bestimmungen hineinzuwachsen, dass sie aus diesem Grunde auch das Jugendliche, das Kindliche so sehr lieben: das schöne, weiche Gesichtchen ohne Schnauze und gewaltigen vorstehenden Kinnladen, dafür mit hoher runder Stirn, der Fötenstirn eben.

Wenn es nun aber so ist, dass das forcierte Zeug-Machen und Zeug-Haben, der Handy-Besitz und die Computer-Hybridisierung damit zu tun hat, dass Menschen unfertige Föten oder jedenfalls »Frühchen« sind, dann ist der Schluss zwingend, dass diese Gerätschaften nichts anderes ein können als Spielzeuge, die dann zwischen diesen Frühchen und der von ihnen erfundenen Welt vermitteln. q.e.d.

Erstausstrahlung Studio Elektra #05 – Spielzeug / gadget. Das Wesen unseres Zeuges: 2. September 2011 auf OktoTV